Wenn ich groß bin, werde ich Autorin: Auftakt

Marie - 18. April 2017

Marie hat mit 16 Jahren das erreicht, von dem viele träumen: Mit ihrem Manuskript einen Verlag überzeugt und schließlich ihre Worte gedruckt auf den Markt gebracht. In der Reihe „Wenn ich groß bin, werde ich Autorin“ schreibt Marie über die Schritte von Manuskript bis Taschenbuch, gewährt einen Blick hinter die Kulissen einer freien Online Redakteurin und jammert über den Zeitaufwand, den ein zeitaufwendiges Hobby nun mal mit sich bringt. Ihr schreibt auch und habt Fragen zu dem Thema? Dann her damit! Genau um diese Fragen (und im besten Fall Antworten darauf) wird sich diese neue Reihe drehen. 

Auftakt: Wisst ihr was, ich schreibe ein Buch!

Wisst ihr noch, wie man als Kind immer gefragt wurde, was man später werden möchte. Ich wollte ziemlich lange Journalistin werden, dann Psychologin, zwischenzeitlich sogar BWLer (Ist das eine Berufsbezeichnung?) und Bankkauffrau. Oft habe ich aber auch gesagt, ich wollte Schriftstellerin werden. Das klang irgendwie besser als Autorin. Im Nachhinein glaube ich, dass ich dabei in erster Linie an Enid Blyton gedacht habe, weil ich so gerne „Hanni und Nanni“, „Dolly“ und all die anderen Bücher gelesen habe. Dabei habe ich mir eine Frau Mitte 30 in einer gemusterten Bluse und mit runden Brillengläsern auf der Nase vorgestellt, vor ihr der Schreibblock und der Laptop, im Hintergrund das Regel mit selbst geschriebenen Büchern. Eine ziemlich romantische Vorstellung, würde ich sagen.

Die letzten zwei Jahre waren eine verrückte Zeit, aber ich mag verrückte Zeiten. Ich hab mein Abi gemacht, bin für meinen Freiwilligendienst nach Spanien gezogen, bin nach Deutschland zurück gekommen und hab mein Studium in Bonn angefangen. In Sachen Schreiben hat mir mein erstes Semester vor allem eins gezeigt: Das geht gar nicht. Ich finde einfach keine Zeit dafür. Ich kenne einige junge Autoren, die neben der Uni ihre Romane schreiben, aber bei mir will es damit nicht klappen. Ich schreibe lieber eine Woche lang jeden Tag zwölf Stunden als wochenlang jeden Sonntag ein wenig. Wenn ich weiter schreiben möchte, sollte ich das wohl möglichst bald ändern.

In meiner Schulzeit war das einfacher, da hat es auch damit geklappt, jeden Tag ein bisschen zu schreiben. In der zehnten Klasse hatte ich eine ganz schreibverrückte Phase: Innerhalb eines Schuljahres habe ich sechs Manuskripte geschrieben, die allesamt lang genug wären, um Romane zu sein. Zwei davon habe ich inzwischen von meiner Festplatte gelöscht, eins liebe ich aber noch immer über alles. Ein anderes habe ich an einen Kleinverlag aus meiner Region geschickt und zuerst einmal keine Rückmeldung bekommen. Dann habe ich das gemacht, was man auf gar keinen Fall machen soll: Ich hab angerufen. Drei Wochen später saß der Verleger mit mir und meinen Eltern an unserem Küchentisch und die Verlagsvertrag war unterschreiben. Damals war ich sechzehn und das fühlte sich schon ziemlich cool an.

So ein Buch zu veröffentlichen, das kann Ewigkeiten dauern, gerade wenn man bei einem Kleinverlag unter Vertrag ist. Es hat auch Ewigkeiten gedauert, fand ich zumindest. Wenn du schreibst, dann möchtest du auch veröffentlichen, und wenn du gerade nicht veröffentlichst, dann fühlt es sich ein wenig an wie freier Fall. Das kann frustrieren, sodass man aufhört zu schreiben, oder – das war bei mir der Fall – es motiviert. Also habe ich weiter geschrieben, Exposés verfasst und an Verlage geschickt. Das impress-Label des Carlsen-Verlags war ganz groß im Kommen, als ich gerade achtzehn geworden war. Vier vollständige Manuskripte habe ich dorthin geschickt, aber die ersten drei passten nicht ins Programm, bis ich zwei Tage vor meinem Flug nach Spanien plötzlich die Programmleiterin am Telefon hatte.

Nächster Stop: Carlsen Verlag

Ich weiß noch, wie unglaublich nervös ich war. Impress ist „nur“ ein Digitallabel, bringt also nur eBooks heraus, aber gehört zum Carlsen-Verlag. Das bedeutet absolute Transparenz, wenn es darum geht, wie viele Bücher du bereits verkauft hast, professionelle Lektoren, die schon Spitzentitel betreut haben, eine Fanbase, die einen tollen Austausch bietet, und eine Community mit wirklich lieben Autoren. Das alles sind Extras, die man nicht unbedingt hat, wenn man bei einem Kleinverlag schreibt. „Calliope Isle – Der siebte Sommer“ habe ich in meiner Spanienzeit in den Osterferien lektoriert (mit der besten Lektorin, die ich bislang hatte!) und für „Cindy & Rella“ bekam ich schon damals eine mündliche Zusage. Zwischen Paella und Rotwein und zwischen Málaga und Barcelona ging das alles ganz schnell. Ich organisierte Blogtouren, Leserunde und Interview und hatte doch keine Zeit, um wirklich zu begreifen, dass ich da gerade dabei war, innerhalb von sieben Monaten zwei Romane auf den Markt zu bringen.

Als ich über Weihnachten zu meinen Eltern nach Deutschland geflogen bin, lag plötzlich „Tameha – Gene tanzen nicht“ auf ihrem Wohnzimmertisch. Fast 2 1/2 Jahre war es damals her, dass ich den Vertrag unterschrieben hatte, so lange hatte Lektorieren, Drucken & Co. gedauert. Dabei ist es ein wahrlich irres Gefühl, das selbst geschriebene und dann gedruckte Buch in den Händen zu halten! Ein halbes Jahr später erschien dann „Calliope Isle – Der siebte Sommer“ beim Carlsen-Verlag, nochmal ein halbes Jahr später folgte „Cindy & Rella“. Wenn ich überlege, dass es inzwischen drei Geschichten von mir dort draußen gibt, die sich jeder einfach so bestellen und dann lassen kann, dann macht mich das schon ziemlich stolz.

Ziel erreicht? Noch lange nicht!

Aber macht mich das zu einer Autorin? Dieser Titel klingt noch ziemlich weit weg. Manchmal bin ich frustriert, wenn es um das Schreiben geht. Frustriert, weil ich für jeden neuen Verlagsvertrag wieder kämpfen muss, weil es unglaublich viel Arbeit ist, die ich in jedes Buch stecke, weil es kürzere Texte gibt, die viel einfacher und schneller geschrieben sind, für die ich aber viel mehr Räsonanz, Rückmeldungen und auch Geld bekomme, weil es recht unvorhersehbar ist, welche Romane gut bei den Lesern ankommen werden, weil man sich dem Markt anpassen muss und weil die Konkurrenz groß ist. Meistens bin ich aber einfach unglaublich froh darüber, zu schreiben, weil es kein besseres Hobby gibt. Ich habe unglaublich viel vom Schreiben gelernt und es hat mir unglaublich viele Türen geöffnet. Aber es gibt einfachere Hobbies, die schneller zu Erfolg führen und weniger zeitintensiv sind.

Ich habe nicht einen von diesen Verlagsverträgen, bei denen ich jedes Jahr einen Printroman schreibe, der dann in Buchläden im ganzen Land zu kaufen ist, aber ich würde einiges für einen solchen Vertrag tun. Es wird wohl immer ein Traum für mich sein, in eine x-beliebige Buchhandlung zu gehen und meinen Roman dort stehen zu sehen. Dieser Traum ist es wert, weiter dafür zu kämpfen, finde ich, auch wenn es manchmal angesichts der Konkurrenz aussichtslos erscheint. Früher musste ich mir dabei aber keine Gedanken um Zeit machen, aber heute mache ich es. Heute studiere ich, heute schreibe ich für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, heute engagiere ich mich ehrenamtlich für Themen, die mich begeistert, heute ist meine Zeit begrenzt.

Ich schreibe trotzdem, ziemlich viel sogar, für The Disaster Diary zum Beispiel, für Unicum, für abi.de, für Lokalzeitungen und für Treffpunkt Europa. Das ist einfacher, das sind kürzere Texte, das geht schneller, da ist der Text schneller an der Öffentlichkeit, da ist er auch schneller wieder vergessen. Manchmal kribbelt es mir danach aber immer noch in den Fingern. Dann hole ich doch alte Manuskripte wieder aus der Schublade und beginne zu korrigieren, verarbeite neue Romanideen in Skizzen und mache mich wieder daran, Exposés zu verschicken. Mit den Manuskripten, an denen ich gerade schreibe, habe ich aber kaum eine Chance, sie bei den Verlagen unterzubringen, bei denen ich bereits veröffentlicht habe, da sie vom Genre und von der Zielgruppe her einfach nicht passen. Vielleicht ist das auch gut so, denn es gibt mir das Gefühl, dass ich nicht nur für einen Verlag oder für den Buchmarkt schreibe, sondern für mich selbst, eben weil es das beste Hobby überhaupt ist. Außerdem will ich Schriftstellerin werden, sollte ich jemals erwachsen werden.

Träumt ihr auch davon, ein Buch zu schreiben? Ideen sammeln, Exposés gestalten, Texte in Zeitschriften unterbringen, Blogtouren organisieren – was interessiert euch am meisten am Schreiben? xx Marie

 

Beitragsbild: Unsplash / Lacie Slezak

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8 Comments

  • Alisa 18. April 2017 at 19:37

    Liebe Marie,
    Spannender Blogpost! Ich wollte als Kind auch immer unbedingt Autorin werden und habe es geliebt, kleine Büchlein mit meinen Geschichten zu basteln. Deshalb fand ich deinen Blick hinter die Kulissen auch total interessant 🙂 Ein eigenes Buch zu veröffentlichen ist definitiv etwas, auf das man / du stolz sein kann!

    Liebe Grüße,
    Alisa von Zeitvergessen.net

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    • Marie 19. April 2017 at 10:23

      Liebe Alisa,

      dankeschön, das freut mich ja riesig! Daran kann ich mich auch noch erinnern: Mit dem Locher und Geschenkband wurden dann die Bücher ganz einfach gemacht – das war ja auch immer ein super Weihnachtsgeschenk für die Großeltern 😉

      Ganz liebe Grüße,
      Marie

      Reply
  • Liyang 18. April 2017 at 22:09

    Liebe Marie,

    Wirklich toller Einblick in die Welt einer jungen Autorin! Bemerkenswert finde ich, dass du bei all dem Erfolg so bescheiden mit deiner Schreibkarriere umgehst! Ich meine erst nach einigen Monaten nachdem wir uns kannten, habe ich, wohlgemerkt aus dritter Hand, erfahren, dass du schon drei Romane veröffentlicht hast😍
    Als ich jünger war, habe ich auch davon geträumt, einmal Romane zu schreiben und davon zu leben. Ich habe einige Manuskripte angefangen aber am Ende scheiterte es doch an dem Zeitaufwand. Sehr schade, wie ich finde. Aber wenn ich mir so deine Geschichte ansehe, habe ich das Gefühl, dass es sich lohnt, seine Zeit für einen Roman zu nutzen. Ich mein gerade ein zeitaufwändiges Hobby ist doch auch ein intensives und spannendes!😊 Vielleicht wird es doch langsam Zeit, dass ich mich mal aufraffe. Vielleicht hole ich ja auch mal paar alte Ideen rauf:D

    Liebste Grüße aus Hennef, und hoffentlich laufen wir uns in Bonn nochmal über den Weg!

    Liyang, von nightthinkersdiary.wordpress.com

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    • Marie 19. April 2017 at 10:25

      Liebe Liyang,

      dich hab ich ja ewig nicht mehr gesehen – wir müssten uns echt mal über den Weg laufen! 😉
      Zeit ist wirklich eine ziemlich komplexe Sache: Ich scheitere auch immer wieder ein wenig daran, dass es eben doch Hobbys gibt, die weniger zeitaufwendig sind. Manchmal muss man aber wohl einfach weniger Zeit damit verbringen, über fehlende Zeit zu meckern, und einfach anfangen zu schreiben – zumindest geht es mir oft so!

      Ganz liebe Grüße,
      Marie

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  • Tabea 23. April 2017 at 06:28

    Das klingt ja, als wäre das hier echt der Auftakt zu einer spannenden Postreihe! Da bin ich schon unheimlich gespannt, was noch kommt, denn ich träume schon seit Jahren davon, ein Mal im Leben ein Buch zu veröffentlichen.

    Da mir allerdings auch die Zeit zum Schreiben fehlt, weil ich dual studiere (keine Semesterferien), einen eigenen Blog habe und ein Pony besitze, habe ich gerade nicht mal ein manuskript. Vor Jahren habe ich mal eine 50 seitige Geschichte verfasst, aber sonst blieb es immer bei zwei bis vier Seiten für Kurzgeschichten.

    Vom Autorendasein träume ich heute vor allem deshalb, weil ich es mir schon vorstelle, meine Zeit am Tag flexibel einteilen zu können. Klassische Arbeitszeiten ohne häufige Pausen für Spaziergänge und sonstige Bewegung sind einfach nichts für mich.

    Liebe Grüße

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  • Weekly Log #9: Yoga-Vibes, Rechtfertigungen & Prag-Pläne - The Disaster Diary 24. April 2017 at 10:13

    […] ich groß bin, werde ich Autorin“ Maries Senf dazu. Den Auftakt der Reihe findet ihr hier – und könnt in Folge 1 nachlesen, wie das bei Marie anfing mit der […]

    Reply
  • psytorrzj 7. Oktober 2017 at 15:51

    すべての https://psytorrent.com/ 投稿者

    Reply
  • air jordan 13 16. Oktober 2017 at 05:23

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