Gedankenballett

Herzensworte über die Schule

Ana - 13. Juni 2016

Here we are. Endlich das Ende und ich fühle mich gezwungen zu realisieren, was grade passiert ist. Ich bin glücklich, aber nicht erleichtert, wie ich erwartet habe. Ich bin einfach nur glücklich, so weit gekommen zu sein. 12 Jahre sind eine unglaublich lange Zeit – so lang, dass es eine Zumutung wäre von mir zu verlangen, meine Schulzeit mit einem Wort zusammenzufassen. Wenn ich dazu gezwungen werden würde, würde ich meine Schulzeit wohl mit dem Wort „Schule“ beschreiben. Es gibt keine Adjektive, mit denen ich 80% meines Lebens zusammenfassen kann. „Schule“ steht für sich alleine, alle wissen, was gemeint ist und alle stellen sich darunter etwas anderes vor.

Während der letzten 12 Jahre habe ich unglaublich viele verschiedene Ichs kennengelernt; ich habe an mir gearbeitet, war schüchternes Mäuschen, gemeines Gossip Girl, stand wiederum für viele ungerecht behandelte Mitschüler ein, habe lauthals in Philosophie diskutiert und in Sport mit meinen Skills geprahlt, in anderen Stunden dann aber mies gelaunt in der Ecke gesessen, weil Kugelstoßen nun mal nicht mein Ding ist.

Ich habe mich zum ersten Mal verliebt! Platonisch und auch wirklich. Ich habe tausend mal gedacht, endlich eine gute Freundin gefunden zu haben, mit der ich auch in den nächsten 20 Jahren Pferde stehlen könnte und ebenso viele Mal festgestellt, dass die Freundschaft nicht länger als ein Jahr halten kann.

Ich hatte Erzfeindinnen – einen Haufen! – die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mich zu schikanieren, auszulachen und Gerüchte über mich zu verbreiten. Die meisten Male habe ich klein beigegeben, die wenigen letzten Male schließlich für mich eingestanden. Der Konflikt hat sich damit sicher nicht gelöst, beliebter hat mich das bei meinen Kontrahenten nicht gemacht, aber beliebter bei mir selber – und das zählt doch, oder nicht?

Ich habe Stärke mit großer Klappe verwechselt und eingesehen, dass Ehrlichkeit gut ist, aber nicht immer lautstark vertreten werden sollte. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Ich habe gelernt, dass es keine bessere Qualität gibt als Empathie. Der Vergleich zu anderen ist sinnlos, sich in andere hineinzuversetzen dagegen der Schlüssel zum gesunden Gleichgewicht. Ich habe gelernt, mir unbegründete Kritik nicht zu Herzen zu nehmen (zumindest arbeite ich noch daran) und (daran arbeite ich auch) unbegründete Kritik nicht selber zu produzieren.

„Gelernt“ ist das Schlüsselwort, denn abrupt fallen mir leider vorrangig die Ereignisse ein, aufgrund derer ich weinend nach Hause lief. Mittlerweile will ich deshalb nicht weinen, sondern glücklich lächeln, denn ich habe letztendlich alles gemeistert. Ich bin stolz auf mich und auf alles andere um mich herum. Ich bin stolz darauf, mich nach dem Abi auf meinen Blog konzentrieren zu können, den ich vor fast 4 Jahren gegründet habe, als ich noch ein ganz anderer Mensch war. Ich bin so stolz, aber habe so viel Angst vor der Zukunft. Ich habe Angst vor keinem Plan und vor zu viel Plan, da ich das Schicksal nicht verpassen will. Augen zu und durch. Wo werde ich wohl in einem Jahr sein?

Da ich mich grade eben an impulsiven Schreiben versuche und der Post sicherlich chaotisch ist (!) hänge ich schnell noch ein kleines Gedicht an, welches ich in der 10. Klasse für den Deutschunterricht schreiben musste. – Bevor ich es mir anders überlege. SPOILER ALERT: Nein, ich halte mich nicht für einen Poeten, aber wenn es etwas gibt, was mir die Schule fürs Leben mitgegeben hat, dann dieses Gedicht:

Seiltanz

 

Das Leben ist ein Tanz auf einem Drahtseil,

sich ständig wendend zu unserem Vor- oder Nachteil,

ein Auf- und Ab zwischen Tiefen und Höhen

immer in Acht vor den nächsten Windböen.

 

Bisher war mein Seil immer fest gespannt

es wackelte nie, es lag in meiner Hand.

und machte mir irgendwas mein Tänzchen schwer

so kamen vier helfende Hände daher.

 

So wächst man in den Alltag hinein

sieht Menschen bloß Glas, Menschen bloß Schein,

nebenbei ein Blick auf das eigene Bild

man fragt sich als was man wohl selber gilt.

Und schafft es schließlich zwischen all den Idealen

seine eigene Persönlichkeit zu malen.

 

Ich male mich mit Worten, weil ich ihnen vertrau‘

mit ihnen bin ich stark, ich bin allem voraus

nur mit ihnen kann ich lächeln

sie machen mich aus.

 

Doch nicht immer ist alles so einfach und rosig

ein zu wilder Tanz und das Seil ist gerissen.

So wie sich die Unruhe hinter mich schlich

hat sie mir all die Kontrolle entrissen.

 

So ragt meine Brücke nun in unbekanntes Gebiet

wer ist man ohne das was man liebt?

Die flüsternde Menge starrt gebannt auf das Seil

es reißt mich fast runter,

ihre Schadenfreude alles andere als ein Ansporn

ich sage, es ist mir egal,

denn ich blicke nach vorn.

 

Werde ich in dem nächsten Kapitel auch so ein Gedicht schreiben? Ich hoffe es. Ich sehe mich auf jeden Fall schreibend und redend und lachend. Und auch mal schweigend, daran arbeite ich. Vielleicht treffe ich ja noch jemanden von euch, jetzt wo ihr die private Feder der 15-jährigen Ana kennt. Damals war ich ein fanatischer Masha Kaleko Fan. Was ist bloß daraus geworden? Wie lange habe ich keine Gedichte mehr gelesen? Fazit: Eine Tür schließt sich, Tausende öffnen sich. Ich heiße die Angst willkommen und bin zwar nicht gewappnet für das, was kommt, aber überglücklich, dass es kommt. Bye Bye Schule, ich weiß nicht ob du mich den Seiltanz gelehrt hast, aber du hast mir klar gemacht, dass das Leben nicht als einer ist. Ich werde dich nie vergessen.

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5 Comments

  • Sandra 13. Juni 2016 at 13:13

    Ein sehr schöner Beitrag von dir <3

    Reply
    • Ana 19. Juni 2016 at 21:23

      Danke 🙂

      Reply
  • Elena 13. Juni 2016 at 22:26

    Unglaubliches Gedicht, sehr gut geschrieben und wahre Worte! Ich denke, man hätte es nicht besser zusammenfassen können. 🙂 Mach weiter so!
    LG
    Elena

    Reply
    • Ana 19. Juni 2016 at 21:23

      Ach wie süß! Danke Elena, das freut mich total! <3

      Reply
  • Cora 23. August 2016 at 12:40

    Hey, ich bin gestern ganz zufällig über deinen Bloglink gestolpert, und konnte es natürlich nicht sein lassen, mal ein bisschen zu stalken. Ist ja ganz interessant, zu sehen, was jeder von uns jetzt mit seiner Zeit anfängt. Ich wusste ja schon immer, dass du auch schreibst, aber hatte keine Ahnung, dass du diesen Blog führst! Ich persönlich versuche gerade, an meinen Schreibgewohnheiten zu arbeiten (ich schreibe ziemlich unregelmäßig und vor allem gerne im stillen Kämmerchen für mich alleine)…
    Da ich mich natürlich bei diesem Eintrag und besonders den „lauthalsen“ Philosophiediskussionen sofort angesprochen gefühlt habe, dachte ich, ich tue mal etwas ganz stalkeruntypisches und hinterlasse einen Kommentar. Also, ein Kompliment an deinen Blog und deine Schreibeinstellung! Ich hoffe, es läuft weiter alles gut für dich 🙂
    Liebe Grüße, Cora

    Reply
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