Dating, Gedankenballett

Kolumne: Finger weg von den Peter Pans!

Ana - 21. Juni 2016

Heute soll es um Dreiecke gehen. Nicht um die Form, die im Kindergarten eine große Herausforderung beim Zeichnen darstellte, sondern ein heute nicht unbeliebtes Mittel in Kultur und Literatur. In Büchern zum Beispiel. Oder in Filmen. Das altbekannte, beinahe ausgelutschte Liebesdreieck wird nämlich in fast jeder der großen tragischen Liebesgeschichten eingesetzt. Bestes Beispiel: Twilight. Wie viele Fans riss das herzzerreißende Hin-und-Her zwischen #TeamEdward und #TeamJacob in den Meyer-Wahn? Nur wenige dachten sich „Entscheid dich doch mal, Bella!“. Der Großteil der Zuschauer und Leser war mehr als gefangen in diesem komischen Bild von Liebe, in der plötzlich nicht mehr zwei, sondern drei Leute eine Rolle spielen. Anscheinend also nicht ganz sinnlos, wenn es darum geht Spannung zu steigern und Drama zu erzeugen. Wie so oft, verfallen tausende Fans der Illusion, auch so eine Situation zu erleben zu wollen, verwechseln fiktive Geschichten mit ihrem eigenen Leben und denken ganz unterbewusst wirklich, dass so Liebe aussehen muss. Schießlich wurde diese Liebesgeschichte abgedruckt und verfilmt und hat einen Haufen Kohle gemacht.

So kommt es, dass das Liebesdreieck heute als ganz normale „Nebenwirkung“ von Liebe akzeptiert wird. Wenn man sich auf etwas einlässt, dann kann da auch mal eine dritte Person reinfuschen, und das muss man hinnehmen, das ist normal. Einem wird eingeredet, man solle kämpfen wie Jacob und Edward; Bella den Hof machen, um sie schließlich in dem Finalband beim Happy End auf einem Sommerfeld ganz für sich zu haben. Früher hat noch die Person genervt, die versucht das Liebesglück zu zerstören. Diese Nebenbuhlerin stand zwar gefährlich nahe zu dem Paar, allerdings verbindet nur ein gestrichelter Pfeil sie mit der Person, der sie unglücklich und hoffnungslos verfallen ist. Heute wird das Dreieck dick gezeichnet. Von der Mittelperson, dem sogenannten Love Interest, führen zwei gleich dicke Linien zum einen und zum anderen potentiellen Partner. Das soll wünschenswert sein?

Ich will nicht verleugnen, dass sowas nicht sehr häufig im realen Leben auftritt. Wir kennen sie alle: Die Peter Pans, die sich vor dem Erwachsenwerden und Entscheiden wehren, die von jedem Eis mal probieren müssen; die nicht wissen, was sie wollen und sich daher am besten mehrere Optionen frei halten. Leider geht der Irrgedanke herum, dass Person 2 und 3 jetzt die Pflicht haben, um den/die Verwirrte/n zu kämpfen.

Der Bachelor wird auf RTL ausgestrahlt. Von dem Herren wird erwartet die Dates schön regelmäßig auf alle zu verteilen. Auch wenn es nach dem ersten Date schon richtig funkt, muss die Kandidatin noch wackeln, denn „Mit der anderen habe ich mich noch nicht getroffen“. Wo Liebe einst noch spontan war, man die ersten Wochen so oder so nur an die eine Person, mit der es vielleicht nur einen Moment, aber doch so sicher, gefunkt hat, denken kann, ist sie jetzt ein Casting geworden.

In einer von Antonias fantastischen Kolumnen höre ich zum ersten Mal jemanden dieses Hin und Her und Warmhalten und Sich-Nicht-Entscheiden treffend das „Peter Pan Syndrom“ nennen. Keine Verpflichtungen = mehr Spaß?  Achtung: Wer zu viel Eis probiert, dem wird irgendwann schlecht. Ich stimme Antonia zu: Treffen wir auf so einen Peter Pan, dann gilt es Abstand zu halten. Ehe wir uns versehen, haben wir es sonst in eine Casting Show geschafft und müssen einsam alleine zu Hause darauf warten, dass der attraktive Juror noch Madame 2 und 3 ausprobiert, ehe er uns eine Zusage erteilen kann. Wäre ja sonst nicht fair, wenn wir drei Abende, die anderen nur zwei bekommen würden.

Mag sein, dass die Shows bei RTL oft Reality-Shows genannt werden, die kindischen Streitigkeiten und das Plaudern aus dem Nähkästchen sehr authentisch und realistisch wirken, aber – und das müssen wir zu unserem eigenen Schutz eingestehen – sind wir nicht bei „Der Bachelor“. Liebe ist kein Kampf, auch wenn es in den dramatischen Spitzen-Love Stories so aussieht. Wenn es gut ist, wird es schön sein. Das dahingenuschelte „Ich weiß es nicht“ kann man getrost als „Nein“ auffassen und so braucht man sich gar nicht erst in einen Konkurrenzkampf zu stürzen, in dem es nichts zu gewinnen gibt. Außer einer (zugeben charmanten) Person, die einfach nicht weiß, was sie möchte. Und das will man dann doch auch nicht, oder?

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8 Comments

  • Ezgi Yilmaz 22. Juni 2016 at 08:05

    Wow deine Ansicht is wirklich bemerkenswert und ich kann dir vollkommen zustimmen. Es ist einfach unsinnig dass wir in einer Gesellschaft leben in der ein Liebesdreieck als normal sogar als obligatorisch gilt. Wie unsinnig und kindisch. Dass sich manche Leute dadurch mehr Spannung erhoffen. Tut mir leid aber wir leben nicht in einem Film unter der Regie eines Hollywood teams und Menschen haben im realen Leben wirklich Gefühle welche man auch verletzen kann. Unvorstellbar sowas. Vor allem kann ich eines gar nicht verstehen wie es Mädchen als wünschenswert sehen eine Option zu sein und dass der besagte Peter Pan eine Entscheidung treffen muss. Also um ehrlich zu sein will ich lieber nicht die Wahl von jemandem sein wenn er sich erstmal zwischen mehreren Optionen entscheiden muss. Liebe ist keine Competition!!!

    LG Ezgi
    https://ezgixylmz.squarespace.com

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    • Ana 25. Juni 2016 at 18:40

      Amen. Setze niemanden als Priorität, der dich nur als Option hält. 😉

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  • Viola 22. Juni 2016 at 09:37

    Oh, der Text ist wirklich gut. Du hast das alles auf den Punkt gebracht und ich bin ganz deiner Meinung. Generell kann sich heutzutage einfach niemand mehr festlegen, und wenn man dann den Fernseher einschaltet, wird Liebe und das Ganze einem auch noch einmal völlig anders präsentiert. Kein Wunder, dass man einfach nur noch verwirrt ist.

    Ich mag deinen Blog du schreibst gut! 🙂

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    • Ana 25. Juni 2016 at 18:40

      Danke für den süßen Kommentar, das freut mich sehr! xx Ana

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  • Allys 3. Juli 2016 at 21:43

    OH EM GEE! ANA!
    Ich weiß gar nicht, ob Du dich noch erinnern kannst. Schließlich war ich versunken und als mich das Bedürfnis packte unter die Blogger zu weilen und nach meinen Lieblingen zu schauen, wurde ich von „Stories Dreams Books“ auf deine Website hier weitergeleitet. Ich habe zuerst einen Schrecken bekommen und dachte mir: „Huch, da bin ich aber falsch. Seit wann folge ich denn einer Website?“
    Danach folgte zwar eine Erkenntnis aber erschrocken habe ich mich tatsächlich.

    ICH LIEBE DEINE WEBSITE! Ich finde sie super modern, mit einem Hauch von Minimalismus! Ich werde auf jeden Fall öfter vorbei schauen!
    Zwei Dinge würden mich dann doch interessieren, bleibt der Wunsch des Jurastudiums oder hat sich da inzwischen etwas verändert?

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    • Ana 6. Juli 2016 at 19:23

      Doch, doch ich kann mich noch erinnern – deine Kommentare vergisst man nicht so schnell! 😉
      Danke, das freut mich total! <3 Wie siehts bei dir blogmäßig aus? Hast du deine Pause auch nicht bereut?
      xx Ana

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      • Ally 7. Juli 2016 at 16:48

        Oh-oh! Was habe ich denn geschrieben gehabt? >.<

        Hmm..bereut? Ja, ein wenig. Man spürt schon, dass man nicht mehr Uptodate ist und kaum bis gar nicht mehr weiß, welche Buchschätze auf einen warten und generell hat sich die Community ein wenig verändert. Alte Blogs haben neue Namen und Anstriche bekommen, sind teilweise umgezogen und auch der Inhalt hat sich ein wenig verändert. Ich habe mich da nicht so zugehörig gefühlt, irgendwie. Bloggen hat mir einfach kein Spaß mehr gemacht und ich hatte nicht wirklich Zeit die Blogs zu lesen, die ich zu Beginn gelesen hatte und die mich inspiriert hatten. Deswegen habe ich es gelassen, stattdessen bin ich bei Wattpad aktive und habe mich meiner "wahren" Leidenschaft zu gewannt. 😀

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        • Ally 7. Juli 2016 at 16:50

          *gewandt

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