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Nicht Maximum, sondern Optimum: Tipps für mehr Gleichgewicht

Es ist weniger als ein Jahr her, als ich dachte, ich müsste immer in Bewegung sein und dürfte nie nie niemals weniger als 110 Prozent geben. Ich fing an, mir To-Do-Listen zu schreiben und erlebte jedes Mal einen kleinen Anflug von Panik, als am Ende des Tages nicht alle Kästchen mit einem hübschen Häkchen verziert waren. Mein Bauchgefühl verriert mir schon nach wenigen Wochen des Durchtimens und Hetzens, dass da etwas gewaltig schief läuft. Auf 4 Tage Vollgas, folgten 3 Tage Schach Matt auf meinem Bett mit der nächstbesten Serie und einem Glas Nutella. All das erinnert mich rückblickend an eine Szene aus „Eat. Pray. Love“, die – neben meinem gesunden Menschenverstand und der Tatsache, dass das so nicht weiterging – maßgebend dafür war, dass ich heute ganz anders über Arbeit und Leistung denke. Ein charmanter Italiener rät Julia Roberts zu mehr Kaffeepausen und bemerkt, dass die Amerikaner zwar 5 Tage die Woche hart arbeiten, sich das Wochenende über aber im Pyjama in ihr gedimmtes Schlafzimmer verkriechen. Ich erkannte mich wieder.

Woher kommt der Irrglaube, man müsse an seine Grenzen gehen, um besser zu werden? Wieso wird erwartet, einen Zustand der kompletten Ausgelaugtheit zu erreichen, um wachsen zu können? Dass das zu nichts Gutem führt, sehen wir doch, oder? Immer mehr 80-Stunden-Wochen, immer mehr Burn-Outs. Organisation und Effizienz sind gerade gewaltig im Trend und es scheint, als würden sich alle nur zwischen zwei Grenzwerten bewegen: Businessfrau mit Doppeltem Espresso vs. faule Socke mit Pickelcreme, Pyjama und Netflix. 6 Tage nur Salat und Sport vs. das große Festessen am Sonntag. Aufgelöste, überforderte Zwillingsmutter mit Full-Time-Job vs. 7 Tage G A R N I C H T S T U N beim Wellness. Wie auch beim Auto gilt: Immer wieder aprubtes Bremsen und sprunghaftes Anfahren verbraucht viel mehr Benzin. Wie lange hält unser Motor dieses Hin und Her aus und wie lange werden wir ihn noch dazu zwingen 110 Prozent zu geben, ehe wir verstehen, dass unsere dringenden Schreie nach komplettem Nichts-Tun eine Warnung sind?

Ich plädiere für ein kleines Bisschen mehr Gleichgewicht. Auf dem dünnen Faden des goldenen Schnittes werden wir uns wohl nie bewegen können, dafür sind wir zu sehr Mensch; doch schadet es nicht, seinen Fokus mal zu verschieben. Leistung anders zu sehen. Es gilt nicht „Je mehr Arbeit, desto mehr Leistung“, stattdessen sollte es heißen: „Je bessere Arbeit, desto mehr Leistung“. Wir sollten das Optimum anstreben und nicht mehr das Maximum. Wir müssen verstehen, dass 100% nicht langfristig aushaltbar sind. Wie wäre es stattdessen mit täglich 80% geben? Und 20% Entspannen oder Fehler machen oder über uns selber lachen? Alles nicht zu ernst nehmen. Dieses einfachere Leben mal über mehrere Wochen durchziehen, täglich etwas Produktives und etwas schrecklich Unproduktives tun und – das verspreche ich euch – nach Wochen des Nicht-Sorgens und Einfach-Lebens, erkennen, dass man auch so seinen Zielen Schritt für Schritt näher kommt. Alles ohne Stress und ohne 80 Stunden Woche und ohne Burn-Out, Binge-Watching, Binge-Eating oder Binge-Drinking am erlösenden letzten Tag nach 6 Tagen Hölle. Sicher, es ist wichtig sich herauszufordern. Ein gesundes und glückliches Leben darf aber nicht aus so viel Anstrengung und so viel Zwang bestehen, wie uns derzeit vorgegaukelt wird.

Unknown

SCHLAFE: Finde heraus, wie viele Stunden du benötigst. 6, 7, 8? Vielleicht brauchst du auch 9 oder 10 und das ist dann vollkommen in Ordnung. Falls du das nicht in der Nacht unterbringen kannst, dann solltest du dich vielleicht jeden Nachmittag für eine Stunde hinlegen. Schlaf im Verlauf des Tages ist kein Ausrutscher, sondern kann Teil einer gesunden Routine sein, die für dich funktionieren muss. Zu viele sehen Schlaf nur als die Zeit an, in der sie nicht arbeiten können.

REVOLUTIONIERE DEINE TO-DO-LISTE: Schreibe auch selbstverständliche Dinge, wie Kochen oder einen Anruf auf – schließlich fressen diese Zeit, dann darfst du dich auch dafür feiern, dass du sie erledigt hast. Schreibe Listen für die gesamte Woche. So kannst du flexible Aufgaben hin- und herschieben, je nachdem wie du dich fühlst und was du sonst so geplant hast. Priorisiere Aufgaben: Markiere, was du unbedingt schaffen MUSST. Bei dem Rest kannst du dann je nach Laune entscheiden

SEI (ab und an mal) UNPRODUKTIV: Und statte jeden Tag mit einem Highlight aus.

TÄGLICHE RITUALE: Der Kaffee und das Zeitunglesen am Morgen sind der Klassiker. Aber es gibt noch viel mehr Rituale: Yoga, ein kleiner Lauf um das Viertel, das gemeinsame Abendessen mit der Familie. Tagebuchschreiben am Abend, Romane Lesen vor dem Einschlafen, ein Snack und ein Telefonat mit einem besonderen Menschen am Nachmittag. Diese Routinen dürfen auf keinen Fall aufgezwungen sein, aber wenn sie gut zu deinem Leben passen, dann schaffen sie es deinem Tag genug Struktur zu geben, sodass du dich weniger verloren fühlst.

PROBIERE VERSCHIEDENE ROUTINEN AUS: Vielleicht passt für dich etwas anderes, als das empfohlene 8 Uhr bis 17 Uhr. Wenn du eine Routine schon ewig lange durchziehst, sie dich aber unglücklich macht, dann ist sie schlichtweg nicht die richtige für dich. Wir sind nicht alle gleich und das zu akzeptieren bringt dich einen Schritt näher zu deinem individuellen Lifestyle.

VERBANNE NEGATIVES: Wenn dich etwas (oder jemand) unglücklich macht, dann solltest du es SOFORT aus deinem Leben verbannen. Zu wissen, was nicht funktioniert, ist unglaublich viel wert. Wie sagte Edison doch so schön: „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10000 Wege gefunden, die nicht funktionieren“.

NIMM DICH NICHT ZU ERNST: Es ist nicht das Ende der Welt, egal wie chaotisch dein Leben ist. Komplett sortiert wird dein Kopf eh nie sein. Akzeptiere, dass du nicht alles perfekt strukturiert haben musst, um erfolgreich und glücklich zu sein und lerne über Fehler zu lachen. Etwas funktioniert so gar nicht? Tja, immer hin weißt du es jetzt und kannst etwas Neues ausprobieren. Damit einher geht auch die Gewohnheit, andere nicht zu verurteilen, wenn sie ihre Prinzipien und ihren Lebenstil nicht zu 100% einhalten. Wir sind eben alle Menschen und sollten auch bei anderen nachsichtig sein. Dann fällt es uns leichter, auch von uns selber nicht absolute Perfektion zu erwarten.

Was denkt ihr darüber? xx Ana

Beitragsbild:  unsplash.com // Matthew Wiebe

9 thoughts on “Nicht Maximum, sondern Optimum: Tipps für mehr Gleichgewicht

  1. Tabea

    Der Vergleich mit dem Auto, dass ständig Anfahren muss, ist dir echt super gelungen! Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schlecht so eine Lebensweise ist und gebe zu, dass ich eigentlich eher jemand bin, der seine Arbeit so gut es geht über die ganze Woche verteilt. Und ich nehme mir auch jeden Tag Zeit für Sport und zum Blogposts lesen, weil mich das einfach entspannt und ich mich somit auch bereit für einen weiteren Arbeitstag fühle.
    Auf Schlaf achte ich schon seit einer ganzen Weile und merke, dass 7,5 bis 8 Stunden da optimal für mich sind. Und die nehme ich mir auch so gut wie jeden Nacht (außer Party-Ausnahmen).

    To-Do-Listen haben bei mir grundsätzlich zwar Aufgaben, die erledigt werden wollen, gelten jedoch endlos… also es gibt keine Deadline und ich mache einfach alles so früh, wie es mir ohne Stress möglich ist. Da immer das wichtige Zeug zuerst kommt, gibt es dann auch keine Probleme.

    Dein letzter Punkt ist auch wundervoll! Eigentlich kann ich dir sowieso nur zustimmen 🙂

    Liebe Grüße

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    1. Ana Post author

      Danke! Ich freue mich wirklich jedes Mal, wenn du mir einen lieben Kommentar hinterlässt! <3
      Das ist auch echt super, wie du das machst - ich bin da noch nicht so gut, fürchte ich, aber auf dem besten Weg 🙂
      xx Ana

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  2. jenny

    Tolle Tipps, gerade den Tipp mit dem Schlaf sollte ich mir zu Herzen nehmen. Ich stehe gerne früh auf und nur selten gelingt es mir, aber in letzter Zeit gelingt mir das früh Aufstehen sehr gut, leider das früh ins Bett gehen eher weniger 😀

    Habe eine schöne Woche!!

    Liebste Grüße aus Hamburg
    Jenny

    –> CHANGEABLE-STYLE <–

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    1. Ana Post author

      Wir alle sind doch Sünder, was das Schlafpensum angeht, oder nicht?
      Liebe Grüße zurück! xx Ana

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  3. Charlie

    Ich mache das tatsächlich auch so, dass ich mir selbstverständlich oder angenehme Punkte auf meine To-Do-Liste schreibe. Man fühlt sich einfach super, wenn man was erledigt hat, egal wie groß es ist, also sind auch kleine Schritte eine tolle Sache. Und ab und zu braucht man echt mal eine Pause, man kann ja nicht immer auf Hochtouren funktionieren.

    Mal wieder ein Beitrag zu einem wichtigen Thema, bei dem ich dir absolut zustimme!

    Liebe Grüße,
    Charlie

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  4. Carolin

    Ich gebe dir bei deiner Ansicht so Recht! Ich bin immer noch auf dem Weg dieses Optimum zu finden. Leider ist es momentan eher noch die Phase, in der ich mal 110% gebe und dann wieder ein paar Tage entspannen muss. Ich merke aber, dass das auf Dauer nicht sonderlich förderlich ist und versuche das ein bisschen zu verbessern 🙂

    Ich würde mich sehr freuen, wenn du auch mal auf meinem Blog vorbeischaust <3

    Liebe Grüße

    http://nilooorac.com/

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  5. Pingback: Life Update: Eine Bitte an euch! ... TED Talks, Fair Fashion & meine Fitness Flaute - The Disaster Diary

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