Vom Primaballerina Sein

Ana - 14. Juni 2016

Das Leben ist echt nicht easy. Mag sein, dass man Geld wie Asche hat, dass man ein wahres chinesisches Klavierwunderkind ist, sein Abitur mit 0,9 abschließt oder mit 15 Jahren eine nobelpreisreife Erfindung patentiert – es ist trotzdem nicht einfach. Wie sagt man so schön: Man will das, was man nicht haben kann? Unterschreib ich sofort! Das was man möchte, ist nämlich nie im Sonderangebot. Dafür muss man seine Big-Girl-Panties anziehen und etwas Mut haben. Aber auch wenn man sich sein Leben lang den Arsch aufreißt und seinen Träumen hinterher rennt, so gibt es doch immer ein Leben, welches nicht das eigene ist, was man so gerne parallel leben würde. YOLO ist eine Schande.

Ich wäre gerne eine Primaballerina. Dieser Zug ist abgefahren, als mit 9 keinen Bock mehr auf strenge Hochsteckfrisuren und den russischen Marshall hatte, welcher unaufhörlich „Disziplin!“ forderte. Mit 9 wusste ich gar nicht, was Disziplin genau bedeutet, da schiss ich mich schon beim Klang des Wortes ein. Dennoch: Wenn ich Sonntag nachmittags im Jogger und mit Kokosöl in den Haaren „Dance Acadamy“ suchte, dann wünsche ich mir nichts weiter, als damals die andere Abzweigung genommen zu haben. Dann wäre ich heute Primaballerina, unter einigen anderen tausend Bedingungen.

757958 unrealistische träume 74Tresorknackerin wäre aber natürlich auch keine schlechte Wahl. Einfach mal richtig Ahnung haben von einem Handwerk, täglich auf Mission sein und schwarze Kleidung tragen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Genauso Kick-Ass zu sein, wie eine Katniss Everdeen, die mit Pfeil und Bogen unschlagbar ist, kommt mir auch nicht allzu übel vor. Leider gab es bisher in meinem Leben noch keine Abzweigung, an der mir ein mysteriöser und weiser Mann anbot, mich als Spitzenbogenschützin auszubilden. Vielleicht kommt das ja noch.

Der am wenigsten unrealistische Traum der unrealistischen Träume handelt von einem eigenen kleinen Café. Riesige Fensterbänke und ein toller Ausblick. Eine Theke voller gefüllter Croissants und Walnussbrot und – fast hätte ich es vergessen – dem besten Kaffee in ganz Berlin. Ich sage mir: Wenn ich in den nächsten zehn Jahren kein perfekt ausgestattetes Café finde, dann muss ich es halt selbst eröffnen. Bis dahin (und wahrscheinlich auch dann noch) bleibt dieser Gedanke eine kleine Fantasie in einer Hinterkopfschublade, die man dann herauskramt, wenn man sich abends fragt, was man alles hätte sein können. Zusammen mit den anderen unrealistischen Träumen. Manchmal sind sie wirklich unrealistisch, manchmal machen wir sie unrealistisch, aber nichtsdestotrotz werde ich weder mal einen Tresor knacken können, noch mit meinen Pfeilen auf dem Rücken Missionen angehen oder meine Stammgäste in meinem Café-Paradies begrüßen.

Dafür habe ich andere tolle Dinge in petto. Trotzdem gehören meine unrealistischen Träume zu meinen allerliebsten, weil bei denen niemand erwartet, dass ich hart dafür arbeite, oder dass ich mir strategisch einen Plan zurechtlege, um sie wahr werden zu lassen. Der Zug ist abgefahren. Ich lehne mich zurück und stelle mir einfach vor, „was wäre wenn“.

76nana

Jetzt wird es interessant: Was sind eure unrealistischen Träume?

 

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4 Comments

  • herzballon 14. Juni 2016 at 10:35

    Ah, das „Dance Academy“-Gefühl kenne ich. Jedes mal wenn ich diese Serie sehe, frage ich mich was passiert wäre, wenn ich im Alter von 5 Jahren mit Ballet und nicht mit einer anderen Tanzart angefangen wäre. Und was wäre wenn ich vor einigen Jahren die Chance genutzt hätte, um einen Trainerschein für Jugendfußball zu machen. Und das aktuellste: Was wäre wenn ich kein duales Studium angefangen würde, sondern mich tatsächlich für Jura entschieden hätte. Fragen über Fragen, auf die ich wohl nie eine Antwort bekommen werde.
    Anneke ♥

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    • Ana 19. Juni 2016 at 21:22

      Man kann leider nicht auf jeder Hochzeit tanzen 🙁 Aber naja, ich bin mir sicher, dass du auch ohne Jura, Ballett und dem Trainerschein einen wundervollen Weg einschlägst! 😉

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  • Belli 14. Juni 2016 at 13:28

    Wunderschöne Bilder:)
    Ein eigenes kleines Cafe hätte ich später auch gern!

    Hab einen schönen Nachmittag:)
    Sweet like sugar

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    • Ana 19. Juni 2016 at 21:21

      Danke!
      Ach ja schon eine süße Vorstellung! 🙂

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