Serielle Monogamie

Ana - 27. März 2019

Serielle Monogamie

Serielle Monogamie. Wie wahre Liebe. Nur anders.

Mono (gr. μόνος) ist griechisch für „einzig, allein“, gamie steht für den Akt. Sex nur mit einer Person, für immer. Das war mal so Ideal. Heute in den meisten Teilen der deutschen Bevölkerung nicht. („Man muss ja mehr als eine Person so kennengelernt haben, um zu wissen, was man will!“). Der romantische Traum der Monogamie wird dennoch gehegt. Und als monogam betiteln sich die meisten. Nur spricht man nicht davon, nur eine Person für immer zu lieben, sondern nur eine Person für jetzt. Und in einigen Tagen/ Wochen/ Monaten/ Jahren eine andere. Erzähl‘ mal deine Lebensgeschichte in Lovern. (1) Klappt gut und ist echt kreativ, finde ich. Serielle Monogamie. (2)

Zeitlose Liebe ist ein Widerspruch in sich. Denn Zeitlosigkeit ist nur eine Illusion, es gibt sie in unserer Welt nicht. Liebe schon. (3) Eigentlich macht das Wort zeit-los schon gar keinen Sinn, denn etwas Zeitloses nehme sich heraus, unabhängig von der Zeit zu sein. Wie soll das gehen?

Liebe scheint absolut nicht zeitlos zu sein. Sehr gut wird das durch folgendes Beispiel veranschaulicht: „Ich liebe dich nicht mehr.“ „Ich LIEBE dich NICHT MEHR“. Nicht mehr steht für Vergänglichkeit. Das Gegenteil von zeitlos.

In Gossip Girl sagt Chuck Bass mal:

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„JA, NE!“, heule ich. Aber Chuck Bass ist eine fiktive Figur aus einer fiktiven Serie und, auch wenn wir mehr fiktive Liebesgeschichten als echte kennen, müssen wir uns eingestehen, dass wir selber eben (leider?) in der echten Welt leben. (4) In einer echten Welt, in der Menschen sich binden, um nicht allein zu sein, um Sex zu haben, um den Beziehungsstatus auf Facebook zu ändern, weil es sich gut anfühlt, nachts umarmt zu werden. „Ich liebe dich“ heißt „Ich liebe dich, bis ich dich nicht mehr liebe“. 50-jährige Familienväter knallen ihre 20-jährigen Sekretärinnen auf dem Schreibtisch. Mutti brennt in ihrer Mid-Life-Crisis mit einem Rockstar durch. (i still love clichés). (5)

Das Konstrukt Zeit scheint alles zu zerstören. Freunde leben sich außeinander, Paare werden zu Fremden, Menschen sterben, ein schwarzes Loch wird unseren Planeten auffressen, eines Tages. Gern geschehen. Letzten Monat habe ich das allererste Mal Fight Club geschaut. Taylor Durden sagt an einer Stelle:

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Ich fürchte mich vor Vergänglichkeit. Vergänglichkeit ist kein fester Bestandteil meines Weltbildes. Sie erscheint mir wie eine Abweichung von der Regel. Ein Fehler im System. Eine sehr seltene Krankheit. „Warum passiert das?, es sollte doch eigentlich anders sein“. Vergänglichkeit anzunehmen, statt sie zu fürchten, klingt nach einer sinnvollen Entwicklungsaufgabe. Vielleicht ist man dann seltener enttäuscht.

Wir werden nicht zusammen alt. Höchstens/ wenigstens/ immerhin zusammen älter.


Fußnoten

Das Beitragsbild habe ich von @fritz_mit_i, die ich letzte Woche persönlich kennenlernen durfte. Folgen! So tolle Collagen, die an wahre Gefühle und Rom-Com-Momente glauben lassen.

(1) Aber erzähle sie auch in Freundschaften. In persönlichen Glücksmomenten. In Lieblingssongs. In selbstgemalten Bildern.

(2) Trennung von Sex und Liebe findet in diesem Artikel nicht statt. Das ist ein großes Problem!!! Ich möchte offene Beziehungen, Polygamie und andere existierende Beziehungsformen nicht ignorieren. Hier ging es aber um die Vergänglichkeit von Liebe, und leider kann ich in meinen roten Faden nicht alles einbinden, was es (wichtiges!) zu sagen gibt.

(3) Eine Annahme, die ich hier mache. Könnte man sicherlich bestreiten. Jemand Bock zu diskutieren?

(4) Versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht gerne in Gossip Girl leben. WEIL: (a) Materialismus über alles, b) eine Fast-Vergewaltigung wird mit einem „Ach, so ist er halt“ abgetan, c) man muss sich erst gegenseitig das Leben zerstören, um zusammen glücklich zu werden?)

(5) Sorry not sorry.

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