Das 3-Uhr-Gedankenballett Round-Up

autumnmac2

Meine Gedankenballette sind etwas ganz besonderes. Für mich, zumindest. Es sind die Beiträge, die ich nachts um 3 schreibe und die, die nach dem ersten Entwurf erstmal in 375397 Korrekturen entschärft werden müssen, weil ich mich gern in Dinge hineinsteigere und plötzlich die gesamte Gesellschaft an den Pranger stelle. Meine Augen schmerzen vor Müdigkeit, ich will eigentlich nichts weiter als ins Bett, doch irgendetwas treibt mich dazu an, genau jetzt, genau jetzt jetzt jetzt, zu schreiben. Als würde mein Leben davon abhängen. Aufs Bett gesetzt, Schneidersitz, Laptop an. Es fließt plötzlich einfach aus mir heraus und ich weiß wieder genau, wieso ich das Schreiben liebe: Weil es mir so unglaublich leicht fällt. Ich hasse das Schreiben, wenn ich keine Worte finde und ich liebe es, wenn ich gar nicht danach suchen muss. Ratet mal, wie spät es grade ist.

Diese Situation nennt man wohl Flow, oder? Maria Montessori hat diesen Zustand, in welchem ich mich ab und an mal befinde, Polarisation der Aufmerksamkeit genannt. Kind ist neugierig, bemerkt eine gewisse Unruhe und muss unbedingt eine schwierige Aufgabe bewältigen und an eine Erkenntnis kommen, ehe es anderen Dingen nachgehen kann. Während der Beschäftigung mit eben dieser so anziehenden Aufgabe, ist die Konzentration auf 170, die Hirnfäden-Verbindungen-Synapsen (wtf) arbeiten auf Hochtouren und irgendwann macht es Klick. Eigentlich bezieht sich Montessori da auf Schulinhalte. Wie, wenn man in Mathe das Integrieren nicht versteht, dann aber unbedingt dahinter kommen will, sich selbst durch die Zahlen wurstelt und am Ende endlich aufatmen kann. Achjaaa, so geht das!

Alle Gedankenballette auf einen Blick

Anas Gedankenballette

Wieso ich ausgerechnet beim Schreiben der Gedankenballette so dermaßen aufgehe? Ich glaube, dass ich damit auch nur einer Einsicht hinterherlaufe. So wie für das Kind das Integrieren danach nicht mehr Bahnhof brüllt, sprechen auch meine eigenen Gedanken nach meiner Schreibekstase nicht mehr Spanisch. Wenn man lange zu tief im Leben steckt, zu viel passiert und man lange keinen Schritt zurück tut und reflektiert, dann gleichen die Gedanken einer nie aufgeräumten Krambox. Der neue Krimskrams kommt oben drauf, ehe man die darunterliegenden Teile richtig sortiert hat. Und irgendwann kriegt man dann die Krise, weil die Wohnung so unaufgeräumt ist und man sich einfach nicht mehr wohl fühlt.

So ist das mit mir und meinem Gehirn. Ich liebe es, spontan zu sein, ich hasse es, keinen Überblick zu haben. Und so folgt ein YOLO-Trip auf einen Kontrollsuchttrip. Mal liege ich bis 16 Uhr im Bett und feiere bis 6 Uhr morgens, mal schreibe ich mir To-Do-Listen und erkläre meiner Mama, wieso sich nach 23 Uhr ins Bett zu gehen so negativ auf unsere Gesundheit auswirkt. Und immer, wenn ich meine Krambox aka Hirnmatsche sortieren muss, schreibe ich ein Gedankenballett. Gegen 4:10 ist dann gut, ich kann aufatmen. Achjaaa, das ist also mein Leben. Ich sehe wieder klar (einigermaßen) und habe sortiert, was die letzten Wochen so vorgefallen ist.

Meine Gedankenballette sind Selbsttherapie (hab ich das grade wirklich geschrieben NEIN nicht weg tippen, Ana! Wir wollen doch ehrlich sein!) und ich habe ein großes Glück, dass sie gleichzeitig auch gerne gelesen werden. Sie sind sicher keine SEO-Meisterwerke – Google schaut meine Texte womöglich nicht mal mit dem Arsch an. Aber sie haben zumindest für mich Mehrwert. Nicht im Sinne des Fachwortes „Mehrwert“, denn sie geben keine „10 Tipps für strahlend gesundes Haar“, dafür aber ein bisschen persönliche Lebenserfahrung mit auf den Weg,  mit der andere eventuell etwas anfangen können. Am Ende sind wir nämlich alle ähnlich, haben mit ähnlichen Gedanken zu kämpfen und müssen ab und an um 3 Uhr morgens unsere Krambox sortieren.

Wie sortiert ihr eure Krambox? xx Ana

Ein Kommentar zu “Das 3-Uhr-Gedankenballett Round-Up

  1. Conny

    Und es sind die schönsten Texte und ich liebe es sie zu lesen! Danke Ana <3 Soll ich dich mal nachts um drei Anrufen nur um einen neuen Text von dir zu lesen? 🙂
    LG Conny

    Reply

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