Weekly Log #11 oder: LEOmuster, Adams erste Frau und Nymphomanie

Ana - 20. September 2018

Hi Leute, da bin ich wieder. Würde gerne etwas Ordnung und Struktur in diese unsichere Präriestimmung bringen, die dieser Blog seit nun einiger Zeit ausstrahlt (ja, in vielen Momenten ist dieser Platz hier so still, dass man den Wind pfeifen und die Steppenläufer raschelnd über den vertrockneten Boden wandern hört), aber leider traue ich mir als Bloggerin selbst nicht mehr. Deshalb: Zumindest heute trete ich über diesen Blog in Kontakt mit der Online-Außenwelt. Und schreibe etwas über mich selbst. Enjoy.

Bristol + Bib + Prüfungsangst

Für alle, die neu sind: Ich studiere Psychologie. Für alle, die schon länger mitlesen: Ich studiere immer noch Psychologie. Vor kurzem habe ich das 4. Semester abgeschlossen, welches ich für den Rest meines Lebens mit dem Setting der ULB (kurz für Universitäts- und Landesbibliothek) verbinden werde.  Die ersten drei Semester schloss ich mich während der Klausurenphase in mein WG-Zimmer ein und warf den Schlüssel weg (Metaphorik, wow!).  Für Runde 4 hatte ich mir vorgenommen, es etwas anders anzugehen. Der Grund: Prüfungsangst. Jemand von euch auch anfällig dafür, wahnsinnige Angst davor zu bekommen, für 90 Minuten einen Test auszufüllen? Aus unerklärlichem, nicht-rationalen Grund mache ich mich gerne verrückt vor Klausuren, was definitiv nicht besser wird, wenn der Schlaf-, Ess-, Wohnort auch der Lernort ist. Irgendwie kriegt man die Gedanken an die Klausur nicht so gut abgeschaltet – die damit verbundene Angst eben auch nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: ULB saved my ass. Die Trennung von Lern- und Schlafort kann ich jedem nur ans Herz legen. Ebenso auch das Verlassen des Hauses in der Klausurenphase (für die meisten wahrscheinlich selbstverständlich). Meine geliebte Bib linderte die Prüfungsangst und bescherte mir einen Haufen wunderbarer Menschen, die ich zu meinen Freunden zählen kann. Wir beschweren uns immer darüber, dass wir so viel Zeit in der Bib verbracht haben. Aber wir haben auch so viele Stunden auf der Wiese davor, mit Eis von Edeka und quatschend auf dem Flurboden verbracht. Nur ein Wort: Alltagshappiness.

Exkurs off und zurück zu der relevanten Info: Bristol. Das ist eine Stadt im Südwesten Englands und der Ort, in dem ich das nächste halbe Jahr leben und studieren werde. Ich freue mich sehr und bin sehr nervös und dachte, dass es ein guter Aufhänger wäre, um wieder zu bloggen. Vielleicht ist dieser Blog ein guter Platz, um die Impressionen in Wort und Bild aus meinem ersten längeren Auslandsaufenthalt festzuhalten.

Das Leokleid auf dem Bild

…liebe ich sehr! Trotzdem hatte ich beim ersten Tragen das Gefühl, verächtlich – und verärgert über das Stören der christlichen Ruhe der Münsteraner Innenstadt – angestarrt zu werden. Blicke gabs auch (irgendwie eine unterqualifizierte Aussage, oder? Wir Menschen gucken halt), mit denen ich egozentrisch darauf schloss, dass ich mit meiner Annahme richtig lag. Ich teilte dem Freund, mit dem ich unterwegs war, meinen Befund über die urteilenden Bewohner mit. „Total dämlich und oberflächlich, oder? Hätte das Kleid ein anderes Muster, würden sich mich nicht so ansehen. Nur wegen eines Musters, so krank!“

Seine Antwort: „Ana, du läufst barfuß durch die Innenstadt. Meinst du nicht, dass das der Grund ist, warum du so angeguckt wirst“. Oh, tatsächlich! Es war Anfangssommerzeit; die offenen Schuhe verantwortlich für das Gemetzel aka meine Füße. Ein toller Moment irgendwie, der mir gezeigt hat, dass man sich selbst nicht zu ernst nehmen sollte.

comic_lwl

Empfehlung!!!

Das LWL-Museum Münster besuchen und diesen Comic (s.o.)  ansehen (+ analysieren!). Mein absolutes Highlight aus der letzten Museumstour und definitiv ein unabgeschlossenes Kapitel. Ich selbst bin mit meiner Analyse nicht allzu weit gekommen und freue mich über Anregungen von allen, die sich Gedanken dazu gemacht haben. Vielleicht folgt ja bald eine 37294-seitige Analyse zu diesem Werk über Zuckerrüben, Arbeit und Hinterbliebene.

Nymphomaniac ist voll der Porno

„Fernsehen-Gucken“ hat so einen wahnsinnig schlechten Ruf bekommen. Zumindest treffe ich viele Menschen, die Serien, Filme und erst recht das TV-Programm vermeiden und sich lieber fern des schädlichen blauen Lichts – wie sie selbst sagen – „erfüllenderen“ Aufgaben widmen. Finde ich logisch. Wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin, ziehe ich Netflix aber einfach einer Fahrradtour vor, ist halt so. Und ich bekenne mich schuldig: Ich stehe wahnsinnig auf Filme und Serien. Das ist Kunst, finde ich. Das sinnlose, stundenlange Dahinvegetieren vor der Glotze, bei dem man sich ein bewegtes Bild nach dem anderen gedankenlos reinzieht, lehne ich auch ab. Allerdings ertappe ich mich oft dabei, wie mir gerade Filme und Serien viele neue Denkanstöße geben, über die ich stundenlang mit Freunden über Kaffee oder Vino reden könnte.

Ziemlich gerne habe ich diese zweiteilige Doku über Drogen und Weltgeschichte, die feministische Amazon-Prime-Serie Dietland (unglaublich viel Content dazu gibt es bei Groschenphilosophin) und Nymphomaniac gesehen. Wenn mir von diesem Film erzählt wurde, waren Aussagen wie „Irgendwie interessant, aber zu viel Sex“, „So viel hässlicher Sex“, „Der Film ist krank, einfach nur ein Porno“ häufig. Keine Ahnung, was bei meiner Interpretation anders gelaufen ist, aber ich würde Nymphomaniac nie mit einem Porno assoziieren. Der Film zeigt viele Szenen mit Sex und nackten Personen (interessanter Weise zeigt dieser Film auch komplett nackte Männer, in vielen Produktionen sind ja lediglich die Frauen komplett nackt zu sehen), die enorm von den romantisierenden Sexszenen aus Liebesfilmen abweichen, bei denen sich die Techtelmechtelnden eigentlich nur bedeckt mit Seidenlacken hin und her wälzen. Hier enden aber auch die Gemeinsamkeiten zwischen Nymphomaniac und Pornos. In meinen Augen gibt es aber mehr Darstellungen von Sex als man es aus Rom-Coms oder Pornos kennt. Einen dritten Weg wählt Nymphomaniac. Es erinnert an Kunstformen, die den Versuch unternehmen, Rohes und Hässliches zu ästhetisieren (die Szene mit den drei Männern und der Operntriade, was ist das!).

Wenn wir unbedingt das Wortfeld „Sex“ nutzen müssen dann so: Lars von Trier präsentiert uns einen Seelenstriptease. Ah und by the way: In meiner Lesart geht es nicht um Sex in diesem Film. Sex ist die Strategie dieser Frau ihre Emotionen zu regulieren und ihr Leben zu bewältigen. Sex ist nicht das Thema, Sex ist hier nur der Ausdruck von all dem, was diese junge Frau erlebt (vom Wunsch nach Macht, dem Coping mit dem Tod des Vaters (@alle, die den Film gesehen haben: so eine verstörende und kluge Szene!!!), dem Umgang mit Verrat, der Suche nach Vertrauen). Und das finde ich genial. Nymphomaniac ist einer meiner Lieblingsfilme. Einer von denen, die man aber trotzdem nur alle 5 Jahre guckt, weil sie einem SO SO SO unter die Haut gehen

Ich habe ein Buch gelesen, was keiner kennt

Die Rede ist von Karneval – Oder: Adams erste Frau ein Drama von Slawomir Mrozek. Charaktere sind bekannte Figuren u.a. der Satan, Adam und Eva, ein Bischof, aber auch Goethe und Gretchen. Hab mich zum Kauf überreden lassen, weil ich Intertextualität einfach nur fantastisch finde (Goethe und eine Figur aus einem Goethe-Roman interagieren, was für ein wunderschönes Chaos!). Ich habe es gerne gelesen, aber definitiv nicht verstanden. Nach dem Generieren einiger eigener Theorien, wollte ich den quick fix und suchte online nach Interpretationen.

NICHTS. ZERRO. NADA. Kein schlauer Mensch, der gerne Interpretationen ins Netz stellt, hat dieses Drama gelesen. Da ich für diese Aufgabe anscheinend nicht schlau genug bin, ein Aufruf: Hat es jemand von euch gelesen? Möchte sich jemand mit mir darüber austauschen? (Gerne auch in Zukunft, falls euch das jetzt dazu inspiriert, es noch zu lesen!).

Fazit nach dem Schreiben dieses Beitrags

Wow, habe ich Bock. Und so viel über das es sich zu schreiben lohnt. Vielleicht ist das der Auslöser einer Renaissance? Danke an alle, die mich in den letzten Monaten über Social Media daran erinnert haben, dass ich das hier mal sehr lange sehr gerne gemacht habe. See you later peeps. xx Ana

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