Weekly Log #13 : Mindful x Münster

Ana - 16. Mai 2019

Yiiihaaa, es ist 2:26 und ich habe entschieden, euch zu updaten. Mir ist neulich aufgefallen, dass diese Kategorie „Weekly Log“ heißt, und ich euch daher eigentlich wöchentlich updaten müsste. Davon sind wir meilenweit entfernt. Lieber umperfekt, aber authentisch? Es hat sich genug authentisches angestaut, was ich gerne teilen möchte. Doch vorher: Visualisierung. Ich sitze grade an meinem schönen, schwarzen IKEA-Schreibtisch, der ein kleinesbisschen wackelt, wenn ich zu turbulent tippe. Vor mir steht meine Kleiderstange mit meinen nicht nach Farben (und auch nach sonst einer Kategorie) sortierten Kleidungsstücken. Ich befinde mich in Münster. Und fühle mich derzeit eigentlich ziemlich wohl. Ein Zustand, der mir noch vor einem Monat unvorstellbar erschien, als ich nur darauf hoffte, so bald wie möglich nach England auszuwandern. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und heute war ein sehr sonniger Tag, den ich am Aasee verbracht habe. Hab einen kleinen Sonnenbrand sogar.

Mindfulness und Therapeutisches Yoga

Grade ist da ein positives Gefühl. Aber es ist nicht immer so, nicht immer da. Manchmal schwinge ich mit Depris durch die Woche, die keiner mitkriegt. Und auch nicht mitkriegen muss. Ich möchte meine kleinen Sinnkrisen nicht thematisieren, sie nicht ausbreiten – weder nach außen noch nach innen. Neige eh dazu, gerne ganz ganz tief in Gefühle rein zu gehen, lasse mich von ihnen aufsaugen. Geschieht dies nicht reflektiert, dann droht mir die Gefahr, nicht mehr raussehen zu können. Vielleicht ist Achtsamkeit/Mindfulness ein gutes Tool als superemotionaler Mensch das Leben zu händeln. Einfach weniger zu fühlen habe ich auch versucht – und nicht gemocht. Wenn ich nichts fühle, warum dann leben? Bewusstheit über das eigene Gefühlsleben zu haben, wissen, wann und wie man sich ihnen widmet, klappt besser (und macht auch mehr Spaß!). Indem ich achtsamer bin, mich mal umschaue, mehr in der Welt und weniger NUR in meinem Kopf lebe. Denn sobald da im Bewusstsein nur noch das Gedankenchaos, nicht mehr der Boden unter den Füßen ist, reicht ein Gedanke und der Halt ist weg.

Yoga hilft auch viel, ein großes großes Shoutout an Esra meine Lehrerin für Therapeutisches Yoga. Wer hätte gedacht, dass körperliche Praxis so hilft, den Kopf zu sortieren. Im therapeutischen Yoga sucht man für mentale und emotionale Prozesse (wie das Loslassen, das Entspannen, das Gefühl von Sicherheit) körperliche Metaphern, was es viel leichter macht, dann Kontrolle über die vorher so schwammigen, ungreifbaren Gefühle und Denkprozesse zu gewinnen. In Bezug auf Meditation hinke ich noch etwas hinterher, komme nicht komplett rein, aber übe fleißig. Der folgende TED Talk vergleicht Meditation mit Treppenlaufen. Wenn man es oft tut und übt, dann kommt man irgendwann oben an ohne komplett aus der Puste zu sein. Muss wohl noch mehr üben, mich laugt’s noch aus. Bin trotzdem mächtig stolz, denn babysteps. 🙂

Workplace Harassment und Dr. Julia Shaw

Vor wenigen Wochen habe ich meine allererste doofe Arbeitserfahrung gemacht. Ich hatte bisher immer Glück mit meinen Vorgesetzten – sie gingen verantwortungsvoll mit ihrer Macht um und waren stets bemüht, mir eine lehrreiche Möglichkeit zu bieten. Wie das wohl so ist (?) bin ich jetzt mal auf eine Führungsperson narzisstischer Art gestoßen, die keine Chance ausließ, nach unten zu treten und die umstehenden schlecht zu machen (um sich besser zu fühlen? So will es die Theorie). Als Psychologiestudentin wünscht man sich, mit jedem auszukommen. „Ja, ist eine schwierige Person, aber mit denen muss man doch auch auskommen?“. Richtig! Eem, nein! Solange ich es vermeiden kann, möchte ich niemanden über mir stehen haben, der mich so behandelt. Und somit habe ich in einer innerlichen Vulkanhandlung dann auch gekündigt. Und es nicht bereut. All die Ereignisse, die dazu geführt haben, habe ich glücklicherweise in Chats und Sprachmemos mit Freunden dokumentiert. Das nächste Mal werde ich dafür den Chatbot Spot nutzen, der u.a. von Dr. Julia Shaw (einer super sympathischen und klugen Forscherin des UCL) entwickelt wurde. Hier kann man seine negativen Erfahrungen am Arbeitsplatz mit einer künstlichen Intelligenz teilen, die gezielt wichtige Fragen stellt und einen Zeitstempel erstellt. So können die Erinnerungen so schnell wie möglich festgehalten werden, was ihre Verfälschung verhindert und somit erlaubt, sie als glaubwürdige Informationsquelle vor Gericht oder in Konfliktgesprächen zu nutzen. „Assume that you’ll forget!“, sagt sie. Schaut’s euch an! Und generell die Arbeit von Shaw dazu – find sie richtig super.

Lolo Zouaï <3

DIESE MUSIK WAHHH.

Nutshell von Ian McEwan

Ich habe eine Stadtbüchereikarte in Münster und versuche ganz eifrig zu lesen. Momentan ist es die Ilias von Homer… auf Griechisch. Mein Kopf explodiert nach nur einer Seite, doch will ich meinen Vorsatz, mein Griechisch zu verbessern, schließlich ernst nehmen. Zuletzt las ich Nutshell von Ian McEwan, welches ich auf Janets Blog entdeckt habe. Ein Wahnsinnswerk. Mehr möchte ich gar nicht sagen. Was für Worte, was für tolle Ideen, wie man sie gemeinsam nutzen kann. Bitte lesen.

Thrifting

Läuft ziemlich gut. Meine Favourites: Ein grauer Kaschmirpullover für unter 30 und eine neue Liebeskind-Ledertasche für 60. Ich mag Leder gerne, aber nicht neu. Möchte keine Nachfrage dafür schaffen. Leider sieht Münsters Second Hand Landschaft ziemlich mau aus, weshalb ich derzeit gerne erkreisele (= auf Kleiderkreisel kaufen). Ich kann es euch nur empfehlen. Man sucht länger nach einem guten Teil, als wenn man sich einfach in Fast Fashion wälzt, doch wenn, dann ist es ein ganz besonderes Teil, welches die Nachhaltigkeit in Deutschland stärkt und länger glücklich macht. Meine Ledertasche ist mir zumindest an den Arm gewachsen. Neues Körperteil sozusagen. Und das ganz ganz fair.

Wo soll ich hin?

Nicht mehr lang, dann kann ich Münster verlassen. Aber wo will ich hin? Eine Großstadt soll es sein. Einen Master möchte ich noch machen. Vielleicht auch die Psychotherapeutenausbildung. Doch genauso möchte ich nochmal nach England, länger nach Paris und nach Athen. Ich bekomme Lust auf Worte, auf lange Zugfahrten und neue Sprachen. Und total nach etwas mehr Zeit. Habt ihr Ideen, was man machen kann, das Spaß macht? Möchte ganz viel davon! Vielleicht wieder so viel Schreiben wie vor dem Studium? Ich halte euch auf dem Laufenden. Vielleicht nicht schon nächste Woche, aber vielleicht die Woche danach. Schlaft gut, hier ist es fast 4 Uhr jetzt. Gute Nacht xx

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