Weekly Log #9: Wiedereinstieg und Three Reasons Why (NOT)

Ana - 6. September 2017

Hallo liebe Leser und herzlich Willkommen zu…

… ja, zu was eigentlich?

Wäre easy, einfach wieder einen Weekly Log zu tippen, über meine Semesterferien, das Studium, meinen Prag Trip, einige andere Herz(-schmerz)angelegenheiten und gesellschaftliche Krümel zu plaudern. Und dabei die Tatsache zu ignorieren, dass das der erste Beitrag seit vier Monaten ist (so eine lange Pause gab es bei mir seit 2012 nicht). Aber nö. Ich kläre euch lieber auf. Schließlich liegen meinem temporären Ausstieg Gedanken zugrunde, die eine Diskussion Wert sind. Das Gedankenchaos versuche ich dann mal kurz in Worte zu fassen. In einem Weekly Log. Also, ja, ich glaube ich bin wieder zurück.

Kein langes Schnacken, es geht los: Folgende drei Eigenschaften des Bloggens verpassten mir das halbe Jahr vor meinem Ausstieg ständig Seitenhiebe. Das Ergebnis: Kopfschmerzen. Und ein Schreib-Burnout.

1. Schreiben ist ein Hobby und mein Blog ist kein Business

Die Bloggerszene und der Trend, dass jeder Blogger aus seinem kleinen Projekt ein Business machen, sich Statistiken angucken und ausschließlich den Content rausbringen muss, „den die Zielgruppe will“, sind mir gewaltig auf die Nerven gegangen. Besser gesagt die Tatsache, dass mich das beeinflusst hat und ich beinahe auf den Zug aufgesprungen bin. Dabei ist das eigentlich nicht meine Art und hat mir die Freude an der Sache sowie das Selbstbewusstsein für die Inhalte, die ich posten will, genommen.

2. Alles, was sie sagen, kann vor Gericht gegen sie verwendet werden. Oder auch in Foren oder in Diskussionen 20 Jahre später.

Die meisten Menschen sind nicht fähig, zu diskutieren: Sobald man im Internet zu etwas Stellung nimmt, ist es vorbei. Man hat sich positioniert und alle, die die Meinung nicht teilen, wittern eine Kriegserklärung. Dabei sind Kommentare und Ideen  doch wichtig, um verschiedene Perspektiven und Argumente in den Raum zu werfen. Ich könnte heute zu einem Thema scharf Stellung beziehen, morgen ein gutes Gegenargument lesen. Dann ärgere ich mich schwarz, dass ich für diesen offensichtlichen und schlauen Punkt so blind gewesen bin. Am darauffolgenden Tag tippe ich einen neuen Kommentar, der meinen letzten widerlegt. Ist das schlimm? Ist das umprofessionell? Ist das launisch und unreif? Sehen vielleicht einige so, ich aber nicht. Meinungsbildung ist ein steiniger Weg, den wir nicht allein beschreiten können. Wir brauchen die Perspektive anderer, denn wir können die Welt nicht gleichzeitig aus mehreren sehen. Es ist kein „Die gegen Die“, Diskussionen kein Schlachtfeld. Andere Sichtweisen zu hören sollte ein faszinierender und bereichernder Akt sein.

Lange Zeit fürchtete ich mich davor, online lautstark meine Ideen rauszuposaunen. Ich weiß, dass ich keinen Wahrheitsanspruch habe, und bin mir bewusst, dass es vorkommen kann, dass ich vollkommen engstirnig argumentiere und gleichzeitig überzeugt davon bin, das ganze Universum für diese Einsicht durchleuchtet zu haben.  Ich wollte mir weiterhin Meinung bilden, aber nicht auf jeden Gedanken festgenagelt werden. Wieso nicht einfach im Stillen grübeln und mit meinen Liebsten diskutieren? Dem kleinen Kreis, der darauf steht, Advocatus diaboli (wenn ihr den Begriff nicht kennt, googeln! So cool!) zu spielen? In den letzten Wochen habe ich akzeptiert, dass es Leute geben wird, die sich nicht freuen, wenn man Gegenargumente bietet. Die wütend werden und einen als unsympathisch abstempeln, weil man ihnen nicht zustimmt. Die alles persönlich nehmen. Aber ich lebe und schreibe nunmal nicht für die Masse. Eigentlich nur für mich und alle anderen, die das zu lesen, nicht als Zeitverschwendung sehen. Das ist nicht vereinbar mit Punkt 1 a la Blog goes Business, aber vielleicht vereinbar mit meiner Motivation, mich mehrmals die Woche für 0,00€ die Stunde an den Laptop zu setzen. Deshalb will ich jetzt einfach keine Angst mehr davor haben, meine Meinung zu äußern und zu ändern. Ich will mich entwickeln. Hin- und Hergekabbel gehört eben dazu.

3. Ich erlebte was, um es zu bloggen.

Das klingt schlimmer und harscher als es ist. Natürlich habe ich nicht wortwörtlich für den Blog gelebt… aber er war doch immer im Hinterkopf. Ich koche mit Freunden, gehe frühstücken, entdecke einen neuen Stadtteil – was für einen Blogpost kann man daraus machen? Diese Frage wurde zum ständigen Begleiter; wahrscheinlich eine typische Symptomerscheinung des Lifestyle-Bloggens. Ich lebe, ihr kriegts mit. Finde ich grundsätzlich ein gutes Konzept, allerdings soll der Blog ein Teil meines Lebens sein, kein Rahmen für mein ganzes Leben. Einige wilde Wochen voller Leben pur, danach Kapitulation, eine Woche zu Hause, erstmal nur Netflix und Nutella, dann eine gewisse Unruhe. Genau dann, entsteht die Lust darauf, die letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Aber nicht mit Deadlines, nicht genau 3x die Woche, auch nicht 1x die Woche. Ich habe das Gefühl, dass der Versuch, auf Zwang produzieren zu wollen, dafür gesorgt hat, dass ich nicht mehr konsumieren, beobachten, genießen konnte. Ich brauche für meinen Blog keine äußeren Kontrollen. Man spürt, wenn man genug gesehen hat, um darüber erzählen zu können. Die Zeit vor der Blogpause habe ich mehr Ideen geteilt, als Anderer Ideen zuzuhören, mehr geschrieben, als zu lesen. Ich habe Gedankengänge und Lebensphasen unterbrochen, um schon vorher was darüber zu schreiben, weil eben ein Beitrag rausmusste. Mir ging die Luft aus.

Wie geht es weiter?

Ziemlich entspannt. Keine Blogplaner, keine Statistiken, keine Zielgruppenanalysen oder Umfragen. Ich poste, was raus muss, und poste nichts, wenn ich nunmal nichts zu sagen habe oder nichts sagen will. Ich hoffe einfach, dass das der Weg ist, um durchhalten zu können. Der Blog hat mir gefehlt!

Natürlich könnt ihr mich dennoch nach Dingen fragen, die euch interessieren, z.B. nach dem Studium, nach Reisen, nach Kleinigkeiten des Alltags, welche ich auf Instagram erwähne. Ich denke, für euch wird sich gar nicht so viel ändern. Für mich stellt dieser Neueinstieg schon einiges auf den Kopf. Mein ungesundes Vorgehen wird revolutioniert. Kein Druck, keine Zweifel – mehr Selbstvertrauen und einfach ein bisschen mehr Augenzwinkern. So mag ich das eigentlich gerne. Ana xx

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8 Comments

  • Lexa 7. September 2017 at 13:52

    Yeah! Das klingt gut. Also nicht was war, aber was kommt 🙂 Solche entspannten Blogs lese ich am liebsten, denn sie sind nicht eingefahren und man kann immer wieder was neues entdecken.
    Willkommen zurück.
    LG Lexa

    Reply
  • Kati 7. September 2017 at 14:44

    Sehr gut! Ich freu mich, dass du wieder bloggst, verstehe deine Punkte aber auch. Aber: Entspannt ist immer besser 😉

    Reply
  • Liyang 7. September 2017 at 19:50

    Danke für den tollen Artikel Ana! Ich habe im nightthinkersdiary.wordpress.com auch oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal ein paar Wochen nichts schreibe. Aber wieso auch etwas aus den Fingern saugen, nur um etwas geschrieben zu haben? Nur um der Statistik Willen und nicht für das schöne Schreiben selbst? Du hast völlig Recht! Bloggen ist etwas, woran wir Spaß haben sollten und der ständige Druck, jede Woche einen neuen Artikel zu veröffentlichen nicht dem ganzen seine Qualität. Besser ist es, wenn wir bloggen, wenn uns wirklich etwas am Herzen liegt, und das tun wir dann für unsere Leserinnen und Leser und nicht zuletzt auch für uns selbst!

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  • flaming_arrow06 8. September 2017 at 06:33

    Ich finde es immer wieder toll, wenn du uns an deinen Ansichten teilhaben lässt. Vor allem den zweiten Punkt konnte ich gut nachvollziehen und stimme dir zu. Wie du schon erwähnt hast, brauchen wir die Perspektiven anderer, um die Welt aus mehreren Blickwinkeln betrachten zu können. (Jeder Mensch ist nun einmal einzigartig und dessen Leben geprägt durch das familäre Umfeld und den gesammelten Erfahrungen.) Während ich diesen zweiten Punkt las, kam mir folgende Frage in den Sinn: „Wo wären wir wohl heute, wenn wir unsere Meinung nicht ändern dürften?“

    Auch von mir ein „Willkommen zurück“ und natürlich ein entspanntes Bloggen 🙂

    Reply
  • herzballon 11. September 2017 at 09:21

    Schön das du wieder da bist, deine Posts haben mir gefehlt.
    Du studierst doch auch in Münster oder?
    Irgendwelche Tipps was man unternehmen sollte, wo man gut Essen gehen kann etc.?

    Liebe Grüße
    Anneke ♥

    Reply
    • Ana 13. September 2017 at 08:43

      Hi Anneke,
      wie lieb! Danke für den Kommentar!
      Ja, genau! Du etwa auch?
      Einen Blogpost über meine Münster Tipps habe ich schonmal in Erwägung gezogen. Ich kann dir aber gerne so ein paar meiner Empfehlungen schreiben. Kannst mir ja auf Instagram schreiben, oder eine Mail, wenn du magst!

      Liebe Grüße
      Ana

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