Try, Try, Try: Wieso du unbedingt ein Praktikum machen solltest

Ana - 13. Oktober 2016

Praktikum – ja, nein, …vielleicht? Während einige darauf schwören und andere ihm den Award der Unnötigkeit verleihen, reihe ich mich unter ersteren ein. Klar, die Branche und der eigene Werdegang entscheiden letztendlich darüber, wie entscheidend ein Praktikum ist. Doch auch, wenn dein Studium oder die üblichen Vitas deines Traumberufs ein Praktikum nicht vorschreiben, rate ich dir, trotzdem eins zu absolvieren. Wieso, weshalb, warum – gibt’s im Folgenden.

1.) If you never try, you’ll never know

Sicher kannst du dich im Internet bei berufsberatenden Seiten über Eigenschaften informieren, die man in einem bestimmten Beruf braucht, und diese dann mit deinen eigenen abgleichen. Du kannst dir auch von anderen sagen lassen, wie toll dieser Beruf zu dir passt. Vielleicht malst du dir schon deine Zukunft in dem Berufsfeld aus und hast deinen Werdegang perfekt durchgeplant. Nichts daran ist falsch, doch – mach erstmal ein Praktikum. Theorie und Praxis sind oft gänzlich unterschiedlich und in Gedanken an unsere (hoffentlich) rosige Zukunft idealisieren wir gerne. Wenn unseren schön ausgemalten Plan dann nach jahrelanger Ausbildung plötzlich eine riesige Kluft von dem tatsächlichen Arbeitsalltag trennt, kann man schnell erschlagen werden von der „vergeudeten Zeit“. Probier verschiedene Berufe aus, bevor du dich komplett auf diesen Weg einlässt und dich darauf fixierst – du wirst erstaunt sein, wie weit von einander entfernt Image und Realität meist sind. Außerdem: Vielleicht hast du dich nicht in dem Beruf, sondern in dir getäuscht. Mag sein, dass du dich in Gedanken gut in dem Beruf machst, dich dann letztendlich aber komplett fehl am Platz fühlst. Tu dir selbst was gutes und versichere dich in einigen Wochen Praktikum selbst davon.

2.) Learning by doing

Es gibt bestimmte Dinge, die man nicht an der Uni lernt, welche aber eine große Portion von den Beschäftigungen im Beruf ausmachen. Das sind dann zwar keine Aufgaben hinter denen eine große Wissenschaft steckt – meist gilt hier simples learning by doing. Als Praktikant wirst du schon vor dem Berufseinstieg mit diesen vertraut. So kannst du bei deiner Jobauswahl später schon einige Skills aufweisen, die sehr sehr nützlich sind und nur von den wenigsten deiner Konkurrenten beherrscht werden. Und auch wenn du dann plötzlich nach einem ernüchternden Praktikum die Berufsrichtung wechselst: Die Dinge, die du gelernt hast, sind dir trotzdem mal von Nutzen. Und wenn nicht: Besser 6 Wochen in einem unpassenden Praktikum vergeuden, als ein halbes Leben in dem falschen Beruf.

3.) Kontakte knüpfen

Apropos Berufseinstieg: Ziemlich häufig hört man vom berühmt-berüchtigten Vitamin B. Auch wenn ich der Überzeugung bin, dass man mit überzeugender Leistung dennoch weit kommt, kann es nicht schaden sich sein Vitamin B zu organisieren… natürlich über Arbeitsleistung. Beweist beim Praktikum, dass ihr den Aufgaben gewachsen seid, schnell dazu lernt und vor allem lernen wollt, euch gut in das Kollegium integrieren könnt und bleibt dem Team in Erinnerung. Wenn dann in einigen Jahren die perfekt auf euch abgestimmte Stellenanzeige genau aus diesem Unternehmen winkt, habt ihr den anderen Bewerbern etwas voraus: Neben Lebenslauf und Co. habt ihr schon ein Probearbeiten hinter euch. Bedeutet auf der anderen Seite aber auch, dass euch ein schlechtes Praktikum negativ in die Karten spielen kann. Praktikum ist eben nicht gleich Praktikum.

4.) Ahoi, Arbeitsalltag und Verantwortung

Wir kennen alle diese Situation, in der wir unseren Eltern verheult davon berichten, wie anstrengend, auslaugend und unglaublich unnötig Schule ist. Das frühe Aufstehen sorgt dafür, dass wir den Tag alles andere als „right“ starten und spätestens, wenn wir ausgehungert und völlig erschöpft einem Berg Hausaufgaben entgegenblicken, hat die Schule schon verloren.

Bei einem Praktikum lernt ihr, eure Eltern zu verstehen, und werdet plötzlich ganz leise, denn: Arbeit ist auch nicht ganz ohne. Je nach Berufsstau müsst ihr noch früher aufstehen, als zu Schulzeiten, es gibt kein Hitzefrei und ihr habt jeden Tag mindestens 8 Stunden zu arbeiten. Es gibt nicht alle zwei Stunden Pausen und ein Haufen der Ausreden interessiert niemanden mehr. Klingt jetzt erstmal schlimmer als es ist – denn der Mensch passt sich an, legt die whiny bitch beiseite und wächst über sich hinaus. Trotzdem kann es nicht schaden, die Whiny Bitch so früh wie möglich in der Schulzeit liegen zu lassen und bei einem Praktikum – lieber früher als später – zu lernen, was Arbeit genau bedeutet, und welche immense Verantwortung sie plötzlich mit sich bringt. Nicht zuletzt auch, um das Studentenleben richtig zu schätzen zu wissen!

5.) Erwachsensein und Professionalität

In der Schule war alles einfach: Es gab die Gleichaltrigen und es gab die Lehrer. Spätestens ab der Oberstufe, sind die höheren Jahrgänge ja auch kaum älter, sodass die Grenze leicht zu ziehen ist – Kinder / Erwachsene. Man ist der Schüler, das Kind und darf sich auch so verhalten. Ist man in einem Unternehmen tätig, sieht das anders aus. Klar, bei einem Praktikum ist man auch zunächst der Praktikant, dennoch sollte man versuchen mit der Zeit immer schwierigere Aufgaben anzunehmen und sich den Festangestellten etwas anpassen. Deine Kollegen können so alt (und älter) wie deine Eltern sein und trotzdem kannst du nicht auf Muttis Verständnis und ihre zärtliche Umarmung hoffen, wenn die Arbeit mal wieder zu viel wird und du an Schlafmangel leidest, weil du bis 2 Uhr nachts auf Instagram unterwegs warst (schuldig!). Sich von dem Alter loszulösen und mit älteren, die man sonst auch nur als die „Älteren“ wahrnimmt, auf einer Ebene umzugehen, ist ein wichtiger Punkt, den man bei einem Praktikum zu überwinden lernt. Es ist seltsam am Anfang und schnell rutscht man in die Kükenrolle, sollte sich aber in dieser nicht zu sehr einnisten – jetzt musst du Professionalität zeigen – die ist sicher irgendwo ganz tief drin verborgen. Mit dem Jammern und den Dramen aus der Schule ist jetzt Schluss! P.S.: Lästern ist auch tabu! (Übrigens: Lästereien und Ähnliches werden nach dem Abitur nicht durch ein magisches Fliegennetz aus eurem Leben gefiltert. Es gibt sie immer und überall – da muss jeder schon selbst das Filtern mit dem Fliegennetz in die Hand nehmen.

6.) Letzter Tipp: Verkaufe dich nicht unter Wert

Mit Verkaufe dich nicht unter Wert meine ich nicht, dass du unbedingt einen Bombengehalt erwarten sollst. Viele Praktika sind gar nicht vergütet und das ist auch vollkommen geläufig und in Ordnung so. Aber dafür, dass du dich als „billige Arbeitskraft“ aka Praktikantin zur Verfügung stellst, willst du dennoch eine Gegenleistung. Diese sollte nicht Geld, sondern eine Zeit sein, die dich viel lehrt und dir einiges mitgibt. Du arbeitest dafür, dass du in wichtige Aufgabenfelder rein schnuppern kannst, wichtige Skills, die notwendig im Beruf sind, mitnimmst, Kontakte knüpfst, stärker und erwachsener in einem professionellen Arbeitsumfeld wirst und Einsicht in ein geschlossenes Business bekommst. Unterschätze das nie! Frisch aus der Schule oder Uni, ist man noch sehr naiv und weiß gar nicht so Recht, wie es in der Unternehmensführung abgeht (und ich bin mir sicher, dass ich das nach dem ersten Schock nur 2% davon gesehen habe – dennoch ganz neue Welt). In vielen Start-Ups und jungen Unternehmen (insbesondere im Online Bereich) ist die Betreuung der Praktikanten ziemlich gut. Da ist Kaffeekochen Schnee von gestern, es gibt feste Aufgaben für Praktikanten und einen fürsorglichen Ansprechpartner. Nicht selten landest du aber auch in traditionelleren Betrieben, die dir deutlich zu spüren geben, dass du als Praktikant in der Hierarchie nur knapp über den Insekten stehst, die in den kargen Büropflanzen leben. Solange du dort Dinge lernst und Chancen ergreifst, die du anders nicht bekommst – super, go get it!

Aber: Nimm kein Praktikum an, was dir nicht das gibt, was du für deine Zukunft und deinen Traumlebensweg möchtest. Wenn du das Gefühl hast, dass du dort nur rumsitzt oder kopierst, und wenn du andere Aufgaben machen musst als erhofft, dann suche dir etwas anderes. Praktika sind super, aber ein schlechtes Praktikum ist Zeitverschwendung. Auf Portalen wie meinpraktikum.de kannst du dir über Erfahrungsberichte ein Bild von deinem potentiellen Alltag machen – das ist Gold wert! Bei Bewerbungen machen wir uns alle nur Gedanken darum, ob wir dem Unternehmen Gefallen werden und verschwenden keinen Gedanken daran, ob das Unternehmen uns überhaupt gefällt. Dabei ist das doch genau so wichtig, nicht?

Wie seht ihr das? Habt ihr bereits Erfahrungen mit Praktika gemacht? Wo wart ihr alles und was hat euch die Zeit mitgegeben? Welche Gründe für ein frühes Praktikum fallen euch ein? Welche Tipps könnt ihr anderen mitgeben?

Beitragsbild: Unsplash.com

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10 Comments

  • Carolin 13. Oktober 2016 at 18:16

    Ein sehr schöner Beitrag! Ein Praktikum ist echt wichtig, um herauszufinden, was man möchte und kann. Ich selbst durfte bereits ein paar Freelancer-Arbeiten für eine Agentur erledigen und konnte dadurch in die Branche reinschnuppern.

    Reply
    • Ana 21. Oktober 2016 at 11:49

      Danke!
      Ja Freelancearbeiten sind ja bei den eher kreativen quasi zum Praktikum Light geworden. Finde das immer so spannend, was du mit deinem Grafikdesign Studium machst 😉 xx Ana

      Reply
  • Mara 14. Oktober 2016 at 11:43

    Aaaalso, zuerst einmal: Ich hab vergessen, bei den Apfel-Zimt-Schnecken zu kommentieren, aber die hören sich ja echt SO genial an!
    Ich bin im Moment sowieso total im Zimtfieber und haue das prinzipiell in alles rein! 😀

    Und jap, Praktikas halte ich auch für extrem wichtig. Nur finde ich es manchmal echt schade, was für Anforderungen die Unternehmen teilweise stellen und dass die meisten sowieso nur Praktikanten ab drei Monaten oder mehr haben wollen!

    Reply
    • Ana 21. Oktober 2016 at 11:48

      Zimt und Herbst sind einfach das Dreamteam!

      Ja das stimmt- wobei ich mich von den Vorraussetzungen nicht allzusehr abschrecken lassen würde. Einfach bewerben, das ist eh immer überspitzt. Und außerdem: Man soll eh immer einen Job machen für den man ganz knapp qualifiziert ist, um einiges dazuzulernen 🙂 xx Ana

      Reply
  • Kerstin 16. Oktober 2016 at 14:41

    Ganz ganz toller und hilfreicher Beitrag. Ich sehe das eigentlich wie du! Manchmal ist es nur nicht so easy an ein Praktikum zu kommen. Leider!

    Love, Kerstin
    http://www.missgetaway.com/

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    • Ana 21. Oktober 2016 at 11:44

      Das stimmt – vor allem bei den Traumstellen, aber mittlerweile bieten in den Online-Bereichen SO VIELE Unternehmen etwas an. Ich drücke dir die Daumen. Und danke! <3 xx

      Reply
  • Katharina 25. Oktober 2016 at 20:49

    Absolut Richtig! Praktika sind wirklich gold wert. Allerdings sitze ich gerade nach 5 Jahren Studium und zahlreichen praktischen Erfahrungen in meinem Auslandpraktikum und fühle mich ziemlich unter Wert verkauft. Das heißt, irgendwann ist leider Schluss mit Praktika für mich ist das definitiv die letzte Stelle vor dem richtigen Job.
    Aber alles „Frischlingen“ rate ich Mut zu haben und sich auszuprobieren 🙂

    Ahoi, Katharina

    Reply
    • Ana 2. November 2016 at 00:17

      Na, immerhin hast du das Praktikant-Sein aber bis zur letzten Sekunde ausgenutzt. Jetzt weißt du sicher, dass deine Praktikantenkarriere vorbei sein soll 😀

      Reply
  • Fortuna Major - {Linklist} Oktober 2016 - Fortuna Major 18. November 2016 at 22:34

    […] Keine Ahnung von der Zukunft? Wie wäre es denn mit einem Praktikum? […]

    Reply
  • yeezy boost 350 v2 16. Oktober 2017 at 14:34

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